Unser Chor und die Medien:

"Ein Weihnachtsoratorium" zum Advent in Weimar aufgeführt

"Ein Weihnachtsoratorium" von Richard Wetz wurde zum Advent in der Weimarhalle der Klassikerstadt aufgeführt. Die feine Instrumentierung wirkte wie ein Licht- und Schattenspiel, wie Tannennadeln und Engelshaar zugleich.

Weimar. Nach Erfurter Aufführungen und einer CD mit ausgezeichneten Interpreten, welche auch am ersten Advent in der Weimarhalle für die hochwertige Darbietung sorgten, lockten Richard Wetz und sein "Ein Weihnachtsoratorium" auf altdeutsche Gedichte nicht die erwartet hohe Besucherzahl.

Zweifelsfrei haben der Komponist und das dem Andenken seiner Eltern gewidmete Werk einen schweren Stand. Dies mag am geringen Bekanntheitsgrad des lange in Thüringen wirkenden Komponisten und Chorleiters liegen. Es kann aber sein, dass für viele Musikfreunde als Ausdruck vorweihnachtlicher Freude eher Bach zählt.

Das dreiteilige Werk eignet sich nicht zum Verlieben auf den ersten Höreindruck, aber sein ernst gestimmter Grundton schwingt nach. Der Dombergchor und der Philharmonische Chor Erfurt, das Thüringische Kammerorchester Weimar sowie die Solisten Marietta Zumbült (Sopran) und Máté Sólyom-Nagy (Bariton) sind mit dem Oratorium nicht nur sehr vertraut, sondern fast schon verwachsen.

Dirigent George Alexander Albrecht leitete die Aufführung gewohnt einfühlsam wie zielstrebig, mit Ruhe, mit jenem Überblick, der selbstredend für eine tiefe emotionale wie geistliche Bindung an dieses groß dimensionierte Stück spricht.                                             

In unheimlich klingender Tiefe treten die Streicher ein in das 1929 vollendete Werk, so als wolle Wetz in dunkler wer-dender Zeit andeuten, dass alle Hoffnung, auch die große finale Chor-Fuge "Halleluja", einer öden Gegenwart abgetrotzt ist.

Máté Sólyom-Nagy rief das "Kommst du, Licht der Heiden?" mit warmherzig, rundum wohlklingenden Timbre herbei, gestaltete wunderbare melodische Bögen. Marietta Zumbülts Sopran schwang sich mühelos auf zu engelshaften Höhen. Beide Sänger fanden in den Duetten zu schönster Harmonie und wurden von Chor und Orchester zuverlässig getragen.

Die feine Instrumentierung wirkt teilweise wie ein Licht- und Schattenspiel, wie Tannennadeln und Engelshaar zugleich. Die vielen harmonischen Farbtupfer sind interessant, nehmen der Musik aber auch jenes helle, freudvoll glänzende Licht, welches die Menschen an Bach so sehr lieben.

Ursula Mielke / 03.12.12 / TA

——————————————————————————————————————————

Thüringer Adventskonzert in Berlin am 26. November 2005  

Es ist schon zu einer guten Tradition geworden: Das Adventskonzert der Thüringer Landesvertretung in der Französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt, das wieder mehrere hundert Gäste miterlebten. Auf Einladung des Thüringer Ministers für Bundes- und Europaangelegenheiten, Gerold Wucherpfennig, und der Bevollmächtigen des Freistaats Thüringen beim Bund, Staatssekretärin Dr. Renate Meier, musizierten der Philharmonische Chor Erfurt unter der Leitung von Chordirektor Andreas Ketelhut und Andrea Malzan an der Orgel. Chor und Orgel erfreuten das Publikum mit Advents- und Weihnachtsmusik aus fünf Jahrhunderten, und selbstverständlich waren Werke der weltbekannten Thüringer Komponisten mit im Programm, so „Verleih uns Frieden“ des Köstritzers Heinrich Schütz (1585 – 1672) oder die Chorfuge „Psalite Deo nostro“ und das Choralvorspiel „Nun kommt der Heiden Heiland“ des Eisenachers Johann Sebastian Bach (1685 – 1750). Weniger bekannt ist einer von Bachs Vorgängern als Kapellmeister in Weimar, Johann H. Schein (1586 – 1630), der Chor sang seine musikalische Botschaft „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Beeindruckend auch die Neubearbeitung der alten Eichsfelder Weise „Maria durch ein Dornwald ging“ von Gottfried Wolters (1910 – 1989). Lang anhaltender Beifall dankte den Musikern für ihre Darbietungen. Beim anschließenden Empfang bestätigten die Gäste sich gegenseitig, was schon Bonifatius vor fast 1300 Jahren dem Papst nach Rom vermeldete: „Thuringia cantat“ – in Thüringen weiß man zu singen und zu musizieren.